A24 o042 HH-B km228,5: Havelland in A24
A24 Hamburg-Berlin km 228,5: Havelland
“Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland,
Ein Birnbaum in seinem Garten stand……”
Mit diesem Gedicht, dass Sie im Anschluss ganz hören können, hat Theodor Fontane dem Havelland und dem Hause “von Ribbeck” 1889 ein Denkmal gesetzt.
Nach einer bewegten Geschichte ist Schloss Ribbeck heute eins der wichtigsten touristischen Ziele in der Region. Erst im Jahre 2005 entschloss sich der Landkreis zu einer kompletten Sanierung der Anlage, die zuvor als Seniorenheim genutzt wurde.
Auch die Familie von Ribbeck, die noch 1945 von den Nationalsozialisten enteignet worden war, ist wieder hier ansässig. Sie knüpft an alte Familientraditionen an wie z.B. die Schnapsbrennerei.
Geografisch bezeichnet der Begriff Havelland ein großräumiges Gebiet, das von der Havel U-förmig umflossen wird. Es reicht von Oranienburg im Norden Berlins bis nach Potsdam, und von dort über Brandenburg, Rathenow und Rhinow bis nach Havelberg, wo die Havel in die Elbe mündet.
Dort, an der westlichen Flanke, sind fast 200 Quadratkilometer des Gebiets als Naturpark ausgewiesen.
Auch ein bedeutendes Denkmal der Technikgeschichte liegt sich im Havelland:
Otto Lilienthal, der berühmte Flugpionier, führte in Stölln bei Rhinow seine Flugversuche durch. Ein Museum zeigt hier, wie der Traum vom Fliegen wahr wurde.
Und an der Absturzstelle, an der Lilienthal im Jahr 1896 tödlich verunglückte, erinnert ein Gedenkstein an den wagemutigen Konstrukteur.
Tipp
Die A24 touchiert das Havelland nur am oberen, nordwestlichen Rand. Bis Schloss Ribbeck sind es von der Ausfahrt ca. 25 Kilometer, die meisten anderen Ziele liegen noch weiter südlich.
Aber vielleicht ist das ja eine gute Gelegenheit, sich Theodor Fontanes Gedicht von dem freundlichen Gutsherren wieder in Erinnerung zu rufen:
Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland
Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland,
Ein Birnbaum in seinem Garten stand,
Und kam die goldene Herbsteszeit
Und die Birnen leuchteten weit und breit,
Da stopfte, wenn’s Mittag vom Turme scholl,
Der von Ribbeck sich beide Taschen voll.
Und kam in Pantinen ein Junge daher,
So rief er: »Junge, wiste ‘ne Beer?«
Und kam ein Mädel, so rief er: »Lütt Dirn,
Kumm man röwer, ick hebb ‘ne Birn.«
So ging es viel Jahre, bis lobesam
Der von Ribbeck auf Ribbeck zu sterben kam.
Er fühlte sein Ende. ’s war Herbsteszeit,
Wieder lachten die Birnen weit und breit;
Da sagte von Ribbeck: »Ich scheide nun ab.
Legt mir eine Birne mit ins Grab.«
Und drei Tage drauf, aus dem Doppeldachhaus,
Trugen von Ribbeck sie hinaus,
Alle Bauern und Büdner mit Feiergesicht
Sangen »Jesus meine Zuversicht«,
Und die Kinder klagten, das Herze schwer:
»He is dod nu. Wer giwt uns nu ‘ne Beer?«
So klagten die Kinder. Das war nicht recht – Ach, sie kannten den alten Ribbeck schlecht;
Der neue freilich, der knausert und spart,
Hält Park und Birnbaum strenge verwahrt.
Aber der alte, vorahnend schon
Und voll Mißtrauen gegen den eigenen Sohn,
Der wußte genau, was er damals tat,
Als um eine Birn’ ins Grab er bat,
Und im dritten Jahr aus dem stillen Haus
Ein Birnbaumsprößling sproßt heraus.
Und die Jahre gehen wohl auf und ab,
Längst wölbt sich ein Birnbaum über dem Grab,
Und in der goldenen Herbsteszeit
Leuchtet’s wieder weit und breit.
Und kommt ein Jung’ übern Kirchhof her,
So flüstert’s im Baume: »Wiste ‘ne Beer?«
Und kommt ein Mädel, so flüstert’s: »Lütt Dirn,
Kumm man röwer, ick gew’ di ‘ne Birn.«
So spendet Segen noch immer die Hand
Des von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland.
Sie hörten einen Locopodia-Text, gesprochen von Wofram Huke
