A3 n134 K-OB km105,0: Neanderthal – Fundstelle und Museum in A3
A3 Köln-Oberhausen km 105: Neanderthal – Fundstelle und Museum
Nach 42.000 Jahren im Lehm werden seine Knochen gefunden – und wären beinahe weggeworfen worden.
Erst als die Steinbrucharbeiter auch auf eine Schädeldecke des Neandertalers stoßen, werden sie aufmerksam und meldeten den Fund. Noch kann aber niemand die Bedeutung der Entdeckung abschätzen.
- 1856 werden die Überreste des Neandertalers gefunden. Der Eigentümer des Steinbruchs zieht einen Naturforschern und einen Anthropologen hinzu. Johan Carl Fuhlrott und Hermann Schaaffhausen ordnen den Fund als die Überreste eines Urmenschen ein.
- Ihre Deutung von wird von der Fachwelt ins Lächerliche gezogen. Gegen die Interpretation des berühmten Pathologen Rudolf Virchow, der von einer krankhaften Veränderung bei einem jungen Mann ausgeht, haben die beiden keine Chance.
- Englische und irische Forscher im Umfeld von Charles Darwin beziehen den Fund jedoch in ihre Arbeiten ein und bestätigen die Thesen von Fuhlrott. 1864 wird die Spezies durch den Iren William King nach dem Fundort als Homo neanderthalensis bezeichnet.
- Im Neandertal selbst bekommt man davon wenig mit – noch während der Fund Weltruhm erlangt, verschwindet der Fundort im Schutt der Steinbrüche.
- 1937 wird ein kleines urgeschichtliches Museum gegründet. Weitere Untersuchungen und Grabungen erfolgen erst in den 1990er Jahren. Dabei werden weitere spektakuläre Entdeckungen gemacht. Steingeräte der Neandertaler, 70 weitere Knochenfragmente und sogar der ausgefallene Milchzahn eines Neandertaler-Kindes. Diese Funde können heute im Museum besichtigt werden.
Tipp
Das Museum liegt gut 7 Kilometer von der Ausfahrt entfernt in der Talstraße 300 in Mettmann. Multimediale Darstellungen und viele Angebote zum Mitmachen lassen den Besucher in die scheinbar so weit entfernte Welt eintauchen.
Geöffnet ist täglich außer montags von 10:00 bis 18:00 Uhr.
Hintergründe
Nach neuesten DNS-Analysen gilt der Neandertaler nicht als direkter Vorfahre des Menschen. Gemeinsamer Verwandter von uns und dem Neanderthaler ist jedoch der Homo heidelbergensis – die letzten gemeinsamen Großeltern hatten wir demnach vor über 600.000 Jahren.
Warum der Zweig der Neandertaler vor circa 30.000 ausgestorben ist, ist nicht sicher belegt. Vermutlich war jedoch der relativ hohe Energiebedarf des muskulösen Körpers nicht dazu geeignet, die letzte Eiszeit zu überstehen.
Eine Kuriosität sei noch erwähnt. Im Neandertal fließt nicht etwa der Fluss Neander sondern die Düssel. Benannt wurde der damals wildromantische Teil des Flusslaufs nach dem Pastor und Kirchenlieddichter Joachim Neander, der während seiner Düsseldorfer Zeit gerne hier spazieren ging.
(Von Neander stammt z.B. der Choral Lobe den Herren.)
