Geschichte Berlins: Von den Ursprüngen bis zum Kaiserreich in Berlin
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Ein Locopodia-Text, gesprochen von Christian Eckert
Ursprünge und Entwicklung bis nach dem 30jährigen Krieg
Die Geschichte erster Ansiedelungen im Berliner Raum reicht Jahrtausende zurück. Im 4. und 5. Jahrhundert n. Chr. verlassen jedoch große Teile der bis dahin hier siedelnden germanischen Stämme das Gebiet wieder und wandern Richtung Oberrhein nach Schwaben ab.
Im 8. Jahrhundert nimmt die Besiedelung durch die Einwanderung von slawischen Stämmen dann wieder zu.
Die slawische Zeit geht 1157 mit der Gründung der Mark Brandenburg durch Albrecht den Bären zu Ende. In der Folge wird das Gebiet planmäßig ausgebaut und besiedelt. So fällt auch die Gründung der ersten Dörfer im Bereich der heutigen Großstadt Berlin in die Zeit des 12. bis 13. Jahrhunderts.
Auf der rechten Uferseite der Spree entsteht Berlin, auf einer Spreeinsel Cölln.
Cölln wird 1237 erstmals urkundlich erwähnt, Berlin 1244. Bereits um 1300 werden die Städte zu Berlin-Cölln zusammengeschlossen.
Die Doppelstadt konnte sich gegenüber den umliegenden Städten Spandau und Köpenick wirtschaftlich insbesondere durch das ihr zugebilligte Niederlagsrecht etablieren. Danach mussten durchziehende Kaufleute ihre Waren für eine gewisse Zeit “niederlegen” und damit auch zum Kauf anbieten. Alternativ konnten sie sich von dieser Pflicht freikaufen.
1415 wurde mit Friedrich I. erstmals ein Mitglied des Hauses Hohenzollern Kurfürst der Mark Brandenburg. Die Herrscher aus dem Geschlecht der Hohenzollern regierten danach bis 1918 in Berlin.
Nachdem Berlin Residenz der Hohenzollern wurde, musste es seinen Status als freie Hansestadt aufgeben. Die wirtschaftliche Ausrichtung verlagerte sich vom Handel auf die Produktion von Luxuswaren für den Hofadel.
Die Bevölkerungszahl stieg rasant an und erreicht gegen 1600 stattliche 12.000 Einwohner.
1539 führte Joachim II. die Reformation in Brandenburg ein und beschlagnahmte im Rahmen der Säkularisierung Besitzungen der Kirche. Das so erworbene Geld benutzte er unter anderem um den Kurfürstendamm als Straße zwischen seinem Jagdschloss im Grunewald und dem Berliner Stadtschloss anzulegen.
In der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts hatte dann der Dreißigjährige Krieg für Berlin schlimme Folgen:
Ein Drittel der Häuser wurde beschädigt, die Bevölkerung schrumpfte auf die Hälfte.
Um Berlin danach wieder attraktiv zu machen, startete Friedrich Wilhelm, der Große Kurfürst, eine Politik der Immigration und der religiösen Toleranz.
In dieser Zeit wurden die Vorstädte Friedrichswerder, Dorotheenstadt und Friedrichstadt gegründet. Mit dem Edikt von Potsdam 1685 lud Friedrich Wilhelm die französischen Hugenotten nach Brandenburg ein. Über 6.000 Franzosen ließen sich daraufhin in Berlin nieder, so dass um 1700 über 20 % der Einwohner Franzosen waren.
Vom Preußischen Königreich zum Deutschen Kaiserreich
1701 krönte Friedrich III. sich selbst zu Friedrich I. König in Preußen.
Er ließ die Lietzenburg zum repräsentativen Schloss Charlottenburg ausbauen und auch das Berliner Schloss wurde zur Prunkresidenz erweitert.
Auf seinen Erlass hin wurden die bis dahin unabhängigen Städte Berlin, Cölln, Friedrichswerder, Dorotheenstadt und Friedrichstadt zur Königlichen Haupt- und Residenzstadt Berlin vereinigt.
Sein Sohn, Friedrich Wilhelm I., baute Preußen dann zu einer bedeutenden Militärmacht auf. Die Entwicklung der Soldaten spricht für sich: 1709 hatte Berlin 55.000 Einwohner, von denen jeder Zehnte in der Armee diente.
Knapp 50 Jahre später waren es bereits 100.000 Einwohner und jeder Vierte war Soldat.
1740 kam Friedrich II., besser bekannt als Friedrich der Große, an die Macht. Unter ihm wurde die Stadt zum Zentrum der Aufklärung. Diese Zeit der Offenheit endete jedoch bereits unter seinem Nachfolger Friedrich Wilhelm II., der ein erklärter Gegner der Aufklärung war.
Ende des 18. Jahrhunderts gab Friedrich Wilhelm II. das Brandenburger Tor in Auftrag, das zum Wahrzeichen der Stadt wurde.
1806 marschierte Napoleon Bonaparte nach der gewonnenen Schlacht bei Jena und Auerstedt in Berlin ein.
Der Einfluss der französischen Revolutionäre brachte allmählich auch in Berlin demokratische Reformen mit sich. 1809 fanden die ersten Wahlen zum Berliner Stadtparlament statt. Stimmberechtigt waren jedoch nur wohlhabende, männliche Bürger.
1810 wurde die heutige Humboldt-Universität zu Berlin gegründet. Erster Rektor war Johann Gottlieb Fichte.
Der Zusammenbruch von Napoleons Macht ab 1813 bedeutete auch für Berlin ein Ende der Reformen.
Für die Stadt brachte die Folgezeit der Industriellen Revolution dennoch eine Blüte. Die Einwohnerzahl wuchs rasch auf 400.000 Menschen an, so dass Berlin neben London, Paris und Sankt Petersburg zur viertgrößten Stadt Europas wurde. Das rasche Wachstum brachte aber auch teilweise verheerende Wohnverhältnisse und Armut bei den einfachen Tagelöhnern und Arbeitern mit sich.
1848 – im Jahr der Revolution kam es in Berlin zum sogenannten Barrikadenaufstand. Friedrich Wilhelm IV. konnte die Revolution jedoch niederwerfen und schränkte die Selbstverwaltung der Stadt wieder ein. Unter anderem wurde die Einkommensgrenze, die zur Teilnahme an Wahlen berechtigte, soweit angehoben, dass nur noch fünf Prozent der Bevölkerung wahlberechtigt waren. Diese Regelung blieb bis 1918 in Kraft.
Berlin als Hauptstadt des Deutschen Kaiserreichs
1871 siegte der Verbund Deutschen Staaten im Deutsch-Französischen Krieg über Frankreich und es kam zur Gründung des Deutschen Kaiserreichs:
Wilhelm I. wurde Kaiser, Otto von Bismarck Reichskanzler; Berlin wurde Hauptstadt des Deutschen Kaiserreichs.
Die Stadt war inzwischen zu einer Industriestadt mit 800.000 Einwohnern angewachsen. In den Siedlungen Kreuzberg, Prenzlauer Berg, Friedrichshain und Wedding wurden Mietskasernen errichtet, um billigen Wohnraum für Arbeiter zu schaffen. Erst 1873 begann endlich der Bau einer Kanalisation.
Im Südwesten der Stadt entstanden dagegen Villenkolonien für das wohlhabende Bürgertum.
Der Erste Weltkrieg führte zu einer Versorgungsnotlage in Berlin. Im Winter 1916/17 spitzte sich die Lage zu. Zehntausende waren auf Hungerhilfe angewiesen, und Streiks brachen aus. In der politischen Auseinandersetzung gewannen radikale Kräfte von Links und Rechts immer mehr an Bedeutung und forderten den Rücktritt des Kaisers.
Als 1918 der Krieg endete, dankte Wilhelm II. ab. Damit war das Ende der Monarchie in Deutschland und das Ende Berlins als Residenzstadt besiegelt.
