Alexanderplatz in Berlin

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Ein Locopodia-Text, gesprochen von Christian Eckert

Der Alexanderplatz, meist einfach Alex genannt, ist seit Mitte des 19. Jahrhunderts wichtigster Platz und Verkehrsknoten der östlichen Stadthälfte. Seit 1805 trägt er zu Ehren von Zar Alexander I. seinen heutigen Namen.
Seine Blüte als weltstädtisches Zentrum erlebte der Alexanderplatz in den 20er Jahren. Nach dem Krieg wurde er zum Inbegriff sozialistischer Stadtplanung.

Geschichte
Die Ursprünge des Alexanderplatzes gehen auf einen kleinen Markt direkt vor den damaligen Berliner Stadtmauern zurück. Dieser sogenannte “Ochsenmarkt” entstand im Jahr 1681, nachdem Viehhandel und Schweinemast im Stadtinneren, verboten worden waren.
Bald entwickelte sich um diese Gegend eine zunächst von Manufakturen geprägte Vorstadt – die spätere Königsvorstadt. Der “Ochsenmarkt” wurde zum pulsierenden Verkehrsknoten und Handelsplatz.

Zudem wurde der südliche Teil von der preußischen Armee als Paradeplatz genutzt. Und als König Friedrich Wilhelm III. im Jahr 1805 dort den russischen Zar Alexander I. empfing, ließ er den Platz kurzerhand in Alexanderplatz umbenennen.

Während des 19. Jahrhunderts wuchs die Königsstadt um den Alexanderplatz herum weiter. Noch vorhandene Manufakturen und Militäreinrichtungen wichen der Wohnbebauung und dem Handel. 1882 wurde die Berliner Stadtbahn und mit ihr der Stadtbahnhof Alexanderplatz eröffnet.

Anfang des 20. Jahrhunderts erlebte der Alexanderplatz seine Blütezeit. Hier entstanden die legendären Warenhäuser Tietz, Wertheim und Hahn. Das Warenhaus Hermann Tietz – das spätere Hertie – hatte damals mit 250m die längste Kaufhausfassade der Welt. Große Leuchtreklamen machten die Nacht zum Tag.
Den Alex als Inbegriff des pulsierenden Berlin der Zwanziger Jahre verewigte Alfred Döblin im Titel seines 1929 erschienenen Romans Berlin Alexanderplatz.

Der weiter steigende Verkehr brachte den Platz an den Rand des Verkehrskollapses. Zur innerstädtischen Neuordnung wurde wegweisendes Konzept von Peter Behrens ausgewählt. Von den Plänen wurden allerdings lediglich das Berolinahaus und das Alexanderhaus fertiggestellt. Beide sind bis heute erhalten und wurden neu saniert.

Zerstörung und Wiederaufbau
Ab April 1945 wurden die Stadtquartiere um den Alexanderplatz durch Bombardements und die Kämpfe der letzten Kriegstage schwer zerstört.

Der Wiederaufbau des Platzes folgte dem Beispiel Moskaus. Ähnlich wie der Rote Platz sollte der Alexanderplatz vollständig vom fließenden Verkehr befreit und für Großkundgebungen ausgebaut werden. Fußgänger- und Fahrzeugverkehr wurden durch unterirdische Gänge getrennt, erreicht wurde damit jedoch vor allem eine Abkopplung des Platzes von den umliegenden Gebäuden und Vierteln.

1965 wurde der Fernsehturm gebaut, der schnell zum Wahrzeichen Ost-Berlins wurde. Des Weiteren entstanden das Centrum Warenhaus, das Interhotel, und die ebenfalls bis heute erhaltenen sozialistischen Baudenkmäler Haus der Elektroindustrie, Haus des Reisens und Haus des Lehrers.

Der 1969 errichtete Brunnen der Völkerfreundschaft und die Urania-Weltzeituhr sind bis heute beliebte Treffpunkte für Verabredungen.

Wenige Tage vor dem Fall der Mauer fand auf dem Alexanderplatz die größte Demonstration gegen das DDR-Regime statt. Sie hatte eine Million Teilnehmer.

Nach der Wende drohte der Alexanderplatz zu verwahrlosen. Um diese Entwicklung zu stoppen und eine moderne Platzsituation zu schaffen, wurde ein Ideenwettbewerb ausgeschrieben. Gewinner war der Berliner Architekt Hans Kollhoff, der sich mit seinem Konzept auch an dem Behrens-Entwurf der 20er-Jahre orientierte. Seit der Jahrtausendwende herrscht nun auf und um den Platz rege Bautätigkeit.

Bereits saniert wurden die einzigen erhaltenen Vorkriegsbauten: das Alexanderhaus der Landesbank Berlin und das Berolinahaus, das jetzt eine Filiale von C&A beherbergt. C&A hatte am Alexanderplatz 1911 seine erste Filiale eröffnet.

Aus sozialistischer Zeit stammt das Centrum Warenhaus, das nach dem Umbau durch die Architekten Kleinhues als Galeria Kaufhof betrieben wird.

Langfristig ist der Abriss des ehemaligen Interhotels, heute „Hotel Park-Inn“, und die Errichtung von drei neuen Hochhäusern an dieser Stelle geplant.