Brandenburger Tor in Berlin
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Ein Locopodia-Text, gesprochen von Christian Eckert
Das Brandenburger Tor – heute ist es das Wahrzeichen Berlins, lange führte es jedoch auch die Trennung der Stadt vor Augen.
Es stand auf Ost-Berliner Gebiet, mitten in der streng abgeriegelten Grenzzone. Während der Teilung gehörte ein Blick über die Mauer an dieser Stelle zum festen Programm vieler Besucher West-Berlins.
Geschichte
Das Brandenburger Tor wurde 1788-91 von Carl Gotthard Langhans nach dem Vorbild der Propyläen der Akropolis errichtet.
Der Auftrag dazu kam von König Friedrich Wilhelm II., der mit dem Ausbau der Zollmauer um Berlin auch das Tor neu gestalten wollte.
Es sollte dem Andenken an den unmittelbar zuvor verstorbenen Friedrich den Großen dienen, dessen Glanz nun auch auf seinen Neffen und Nachfolger fallen sollte.
Dennoch war das Brandenburger Tor kein reines Prunktor sondern diente tatsächlich als Stadttor. Zwar nicht mehr zur Befestigung, sondern vor allem um die Akzise, eine direkte Verbrauchssteuer auf eingeführte Waren, einzutreiben.
Zu beiden Seiten des Tores befanden sich ursprünglich Torhäuser für die militärische Wache und den Steuereinnehmer. Nach Niederlegung der Zoll- und Akzisemauer wurden diese Torhäuser durch offene Säulenhallen ersetzt.
Im Jahr 1793 wurde die zur Stadt gewandte Quadriga mit der geflügelten Siegesgöttin auf dem Tor angebracht.
Nach der Niederlage Preußens wurde die Quadriga 1806 von Napoleon nach Paris verschleppt. Doch noch bevor sie dort aufgestellt werden konnte, wurde Napoleon entmachtet und die Quadriga durch General von Pfuel [Pfuhl] wieder in preußischen Besitz gebracht.
Die große Dankbarkeit für die wiedergewonnene Quadriga zeigte sich u.a. darin, dass bis zum Ende der Monarchie neben Mitglieder der kaiserlichen Familie nur Nachkommen des Generals von Pfuel, die mittlere Durchfahrt des Brandenburger Tors benutzen durften.
Von den Berlinern wurde die Quadriga nach ihrer Rückführung im Volksmund auch als Retourkutsche bezeichnet.
Nationalsozialismus und Wiederaufbau
Am 30. Januar 1933 feierten die Nationalsozialisten mit einem Fackelzug der SA durch das Brandenburger Tor ihre „Machtergreifung“.
Während des Zweiten Weltkriegs wurde die Quadriga dann in der Schlacht um Berlin von deutschen Soldaten mehrmals beschossen, nachdem sowjetische Soldaten dort die rote Fahne gehisst hatten. Die Figur wurde vollständig zerstört und auch die Seitengebäude des Brandenburger Tors wurden stark beschädigt.
Schon 1956 wurde das Brandenburger Tor jedoch unter Beteiligung beider Teile Berlins wieder rekonstruiert.
Teilung und Mauerfall
Nach dem Bau der Berliner Mauer am 13. August 1961 stand das Bauwerk mitten im Sperrgebiet.
Fast 30 Jahre lang fristete es dort ein verlassenes Dasein und war von niemandem zu erreichen. Dies änderte sich nach dem Fall der Mauer schlagartig. Unter dem Jubel der Menschenmassen wurde das Tor am 22. Dezember 1989 wieder geöffnet. Im Freudentaumel der Vereinigungsfeiern, insbesondere in der Silvesternacht 89/90 wurde die Quadriga jedoch erneut so stark beschädigt, dass sie komplett restauriert werden musste.
Heute gehört das Brandenburger Tor zum Pflichtprogramm eines jeden Berlinbesuchers. Eine Möglichkeit zur Einkehr und zum Gedenken an die bewegte Historie dieses Ortes bietet der ‘Raum der Stille’, ein öffentlich zugängiger Meditationsraum im nördlichen Torhaus.
