Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche in Berlin

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Ein Locopodia-Text, gesprochen von Christian Eckert

Die Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche – sie galt als Symbol des Aufbaus von Berlin aus Ruinen, als Wahrzeichen des Westberliner Zentrums am Kurfürstendamm und ist in der Kombination von Ruine und Nachkriegsmoderne zudem als Mahnmal gegen Krieg und Zerstörung konzipiert.

Geschichte
Die ursprüngliche Gedächtniskirche wurde von Wilhelm II. zu Ehren seines Großvaters Kaiser Wilhelm I. in Auftrag gegeben. 1895 wurde die monumentale neoromanische Kirche eingeweiht. Sie hatte fünf Türme. Der heute als Ruine erhaltene Hauptturm war mit 113 Metern der höchste der Stadt.

Im Zweiten Weltkrieg wurde die Kirche bei Bombenangriffen weitgehend zerstört.

Beim Wiederaufbau dachte man zunächst daran, im Inneren der Überreste eine neue, gläserne Kirche entstehen zu lassen. In dem ausgeschriebenen Architekturwettbewerb siegte jedoch ein anderes Konzept: Egon Eiermann schlug einen vollständigen Abriss und einen modernen Neubau vor. Dieser Vorschlag wurde jedoch von der Berliner Bevölkerung gestoppt. Eine ungewöhnlich leidenschaftliche öffentliche Diskussion brachte schließlich einen Kompromiss hervor: Die Ruine des alten Hauptturms sollte als Mahnmal gegen den Krieg erhalten bleiben – darum herum sollten die Neubauten nach Eiermanns Entwurf entstehen.
So entstand dann bis 1961 das vierteilige Ensemble von Kirchenschiff, Glockenturm, Kapelle und Foyer. Zudem entwarf Eiermann alle wesentlichen Elemente im Altarraum.

Die von außen nüchtern wirkenden neuen Gebäude erzeugen in ihrem Inneren eine faszinierende sakrale Atmosphäre. Erreicht wird das durch die rasterförmigen Wände aus mehr als 30.000 kleinen Glasfenstern.
Der französische Glaskünstler Gabriel Loire, hat dafür farbige Glasscheiben in kleine Teile zerschlagen und in quadratische Formen eingefügt. An den Kanten der Glasstücke bricht sich das einfallende Licht wie an geschliffenen Edelsteinen. Besonders nachts kommen die Farben der Fenster durch die umliegenden Scheinwerfer gut zur Geltung, aber auch tagsüber erzeugen die Fenster-Wände eine einzigartige Stimmung.

Die Symbolik des Mahnmals gegen den Krieg setzt sich auch im Inneren der Kirche fort.
Ein Nagelkreuz aus Überresten der von Deutschen zerstörten Kathedrale von Coventry sowie die Zeichnung “Madonna von Stalingrad”, die Kurt Reuber Weihnachten 1942 im Kessel von Stalingrad anfertigte, dienen als Zeichen der Versöhnung zwischen den Völkern. Sie hängen als Kopien in verschiedenen Kirchen weltweit.