Unter den Linden in Berlin
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Ein Locopodia-Text, gesprochen von Christian Eckert
Unter den Linden ist die Flaniermeile des heutigen und der herrschaftliche Prachtboulevard des preußischen Berlins. Die Straße Unter den Linden führt vom Brandenburger Tor bis zur Schlossbrücke an der Museumsinsel.
Geschichte
Im 16. Jahrhundert war die heutigen Straße Unter den Linden nichts mehr als ein schmuckloser Reitweg zwischen dem alten Berliner Stadtschloss und dem nahe gelegenen Tiergarten.
Als Kurfürst Friedrich Wilhelm beim Wiederaufbau nach dem Dreißigjährigen Krieg jedoch auch neue Gärten und Alleen anlegen ließ, entstand aus dem einfachen Reitweg innerhalb weniger Monate eine prachtvolle Allee. Nur bei der Anpflanzung der Bäume gab es Verzögerungen, da die umliegenden Förstereien so schnell keine 2000 Nuss- und Lindenbäume beibringen konnten.
Noch führte die Straße jedoch nur durch sandige Felder mit einigen Bauernhöfen und nichts deutete auf das spätere feudale Flair hin. Nachdem zusätzlich der Berliner Verteidigungswall bis zum heutigen Anfang der Allee verschoben worden war, überließ der Kurfürst seiner Gattin Dorothea das verlassene Gebiet außerhalb der Stadtmauern.
Die geschäftstüchtige Fürstin allerdings teilte das Gebiet in Abschnitte auf und verkaufte die Grundstücke zur Bebauung. Sie legte somit den Grundstein zur neuen Dorotheenstadt – zudem gewann die “Lindenallee” durch die zunehmende Nutzung an Bedeutung. Noch waren es aber hauptsächlich Bauern und niedere Hofbedienstete, die hier unterwegs waren.
Um die Wende zum 18. Jahrhundert begann dann die Entwicklung zum prachtvollen Boulevard. Friedrich I. ließ zu dieser Zeit zahlreiche öffentliche Bauten wie die Akademie der Künste oder Gebäude für die Hofbediensteten an der Lindenallee errichten. Südlich der Linden entstand die Friedrichstadt.
Auch die Hofgesellschaft nutzte neuerdings die Straße unter den Linden, um zu den regelmäßigen Bällen und Schauspielen der Königin im außerhalb gelegenen Schloss Charlottenburg zu gelangen.
Trotz dieser zunehmenden Verstädterung trieben sich aber immer noch Schweine auf der Allee herum und wühlten den Boden auf. Kurzerhand erließ Friedrich I. daher ein Gesetz, nach dem jeder Bewohner auf die Linden vor seinem Haus achten und Beschädigungen melden sollte.
Das älteste erhaltene Gebäude Unter den Linden, das Zeughaus, stammt aus dieser Zeit. Es wurde 1706 fertiggestellt und diente als Lager für Gewehre und Kriegstrophäen. Heute bildet es zusammen mit dem Kommandantenhaus den östlichen Abschluss der Straße.
Unter Friedrich dem Großen entstanden dann die meisten der heute sichtbaren Prachtbauten am östlichen Ende der Allee. Ab 1740 entstanden die allesamt vom Hofarchitekten Knobelsdorff geplanten Gebäude Opernhaus, Sankt-Hedwigs-Kathedrale, Königliche Bibliothek und das Palais des Prinzen Heinrich. Letzteres wurde später als erstes Gebäude der Humboldt-Universität genutzt.
Nach dem Sieg über Napoleon, ließ dann Friedrich Wilhelm III. im 19. Jahrhundert den östlichen Teil der Straße durch Karl Friedrich Schinkel vollends zu einer Triumphstraße ausbauen. Der Bereich schließt mit dem von Christian Daniel Rauch geschaffenen Reiterstandbild Friedrichs des Großen ab.
Zerstörung und Wiederaufbau
Im Zweiten Weltkrieg wurde der Straßenzug Unter den Linden fast völlig zerstört. Eins der wenigen unbeschadeten Gebäude ist der 1910 errichtete Römische Hof mit der Hausnummer 10.
Zu Beginn der 50er-Jahre begann der Wiederaufbau. Eins der ersten neuen Gebäude war die sowjetische Botschaft, ein bedeutendes Beispiel stalinistischer Architektur in dem heute die Botschaft der Russischen Föderation ihren Sitz hat.
Auch die historischen Gebäude wurden größtenteils wieder aufgebaut. Eine Ausnahme bildet das Stadtschloss, das von den sowjetischen Truppen als Symbol des verhassten preußischen Militarismus gesehen wurde und gesprengt wurde.
An seiner Stelle wurde der Palast der Republik errichtet. Nach 1989 wurde dieser wegen Asbestverseuchung jedoch geschlossen und verfiel zunehmend. Seit 2006 wird er nun schrittweise abgetragen.
Der komplett sanierte Pariser Platz mit dem Brandenburger Tor bildet das westliche Ende des Prachtboulevards. Die angrenzenden Kaffees oder Parkanlagen laden zum Verweilen und zur Erholung nach dem Spaziergang über die ausgedehnte Allee ein.
