Neue Synagoge in Berlin
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Ein Locopodia-Text, gesprochen von Christian Eckert
Die Neue Synagoge in der Oranienburger Straße war einst die größte und bedeutendste Synagoge Deutschlands. Sie ist ein heute wichtiges Baudenkmal und jüdisches Zentrum.
Geschichte
Mit dem Aufschwung Berlins war im 18. und 19. Jahrhundert auch die jüdische Gemeinde stark gewachsen. Die bisherige Synagoge reichte für die 30.000 Mitglieder nicht mehr aus. Daher sollte eine Neue Synagoge entstehen – mitten im jüdisch geprägten Wohnviertel der Oranienburger Straße.
Die Planung erfolgte durch Eduard Knoblauch, der nach seiner Erkrankung die Fertigstellung an seinen Freund Friedrich August Stüler übergab.
Der Entwurf Knoblauchs orientiert sich an maurisch-byzantinischen Stilelementen. Dies war für Synagogen damals zwar nicht vollkommen ungewöhnlich, wirkte jedoch in Berlin fremdartig. Liberale Strömungen in der jüdischen Bevölkerung fürchteten, dass diese selbstbewusste Gestaltung Futter für die Antisemiten sein könnte. Überwiegend wurde die Synagoge bei ihrer Eröffnung 1866 jedoch mit Stolz betrachtet.
Theodor Fontane schrieb damals in der „Kreuzzeitung“: „Wer sich für die architektonischen Dinge interessiert, für die Lösung neuer, schwieriger Aufgaben innerhalb der Baukunst, dem empfehlen wir einen Besuch dieses reichen jüdischen Gotteshauses, das an Pracht und Großartigkeit der Verhältnisse alles weit in den Schatten stellt, was die christlichen Kirchen unserer Hauptstadt aufzuweisen haben“
Zerstörung und Wiederaufbau
Während der Pogrome in der Nacht zum 10. November 1938 begannen Angehörige der SA, in der Neuen Synagoge Feuer zu legen. Nur das beherzte Eingreifen von Wilhelm Krützfeld, Leiter des nahe gelegenen Polizeireviers, bewahrte die Synagoge vor der Zerstörung. Er drängte die SA-Leute ab und bewegte die Feuerwehr das Gebäude zu löschen.
Bis 1940 konnte die Synagoge danach noch für Gottesdienste genutzt werden. Dann besetzte die Wehrmacht das Gebäude und richtete hier ein Uniformlager ein. Die Kuppel wurde wegen drohender Luftangriffe mit Tarnfarbe übermalt – was sie jedoch nicht vor schweren Bombenschäden bewahrte.
Nach dem Krieg wurde die Ruine als Steinbruch für Baumaterial genutzt und damit weiter beschädigt. 1958 wurden mehrere Gebäudeteile vollends abgetragen, darunter auch der Gebetssaal, der einmal bis zu 3000 Gläubigen Platz geboten hatte.
Lediglich die Bereiche an der Straße blieben als Mahnmal gegen Krieg und Faschismus erhalten.
Wiederaufbau zum Centrum Judaicum
1988 beschloss die DDR-Führung, die Neue Synagoge wieder aufzubauen und damit ein Zentrum für die Pflege und Bewahrung jüdischer Kultur in Berlin zu schaffen. Durch diese Entscheidung sollten vor allem die Beziehungen zu den USA und Israel verbessert werden.
Beim Aufbau wurde die repräsentative Straßenfront mit der Hauptkuppel originalgetreu rekonstruiert. Ein kompletter Aufbau wurde jedoch bewusst verworfen – die Zeichen von Leiden und Zerstörung sollten erhalten bleiben.
1994 war die Restaurierung abgeschlossen. Das Gebäude enthält heute einen kleinen Gebets- und Andachtsraum wurde aber nicht wieder zur Synagoge geweiht.
Eine ständige Ausstellung im Inneren der Neuen Synagoge informiert über jüdisches Leben in Berlin. Ihr Titel: „Tuet auf die Pforten…“ ist in hebräischer Schrift über dem Eingang angebracht.
In der Nachbarschaft befinden sich jüdische Gemeindeeinrichtungen, Restaurants, Cafés und die Jüdische Galerie.
