Reeperbahn und St. Pauli in Hamburg
Reeperbahn und St. Pauli
Ein Locopodia-Text, gesprochen von Friederike Weede
Die international bekannte Reeperbahn ist die zentrale Straße im Hamburger Vergnügungs- und Rotlichtviertel St. Pauli. Sie ist etwa 930 Meter lang und verläuft vom Millerntor in Richtung Westen bis nach Altona. Doch die Reeperbahn ist weit mehr als Touristenattraktion und Partymeile, sie ist Ausgangspunkt für unzählige Geschichten und Kuriositäten, die ganze Bücher füllen könnten.
- Die Herkunft ihres Namens ist historisch einwandfrei belegt und keinesfalls anrüchig: Die Reeperbahn erhielt ihren Namen von Taumachern und Seilern, den so genannten Reepschlägern, die für die Herstellung von Schiffstauen eine lange, gerade Bahn benötigen. Dementsprechend gibt es auch in anderen Städten Straßen dieses Namens, beispielsweise in Kiel, Stade oder Buxtehude.
- In Hamburg ist der Begriff „Reeperbahn“ heute das Synonym für: „Die sündige Meile“ bzw. ihr näheres Umfeld. Von Hamburgern wird das Vergnügungsviertel meist aber einfach nur liebevoll „der Kiez“ genannt.
- Die Ursprünge als Amüsiermeile stammen aus der Zeit, als Hamburg und Altona noch getrennte Städte waren. Fragwürdiges Gewerbe wurde aus der Stadt verbannt und so entstand zwischen dem Hamburger Millerntor und dem Altonaer Nobistor der heute noch existierende Spielbudenplatz. In Bretterbuden und Zelten boten hier Schausteller wie Seiltänzer, Feuerschlucker, Zauberer und Musiker ihre Künste dar. Durch die unmittelbare Nähe zum Hamburger Hafen entwickelte sich die Reeperbahn im Laufe der Jahre zum Vergnügungsviertel der Seefahrer.
- Heute reihen sich etliche Sehenswürdigkeiten an der Reeperbahn aneinander. Neben vielen Nachtclubs, Bars und Diskotheken, sind vor allem die Seitenstraße ‘Große Freiheit’, der Hans-Albers-Platz und die Davidwache berühmt. Ebenfalls ein Besuch wert ist der Spielbudenplatz mit dem Panoptikum, dem St. Pauli Theater, dem Schmidt Theater und dem Operettenhaus. Kein Wunder also, dass die Reeperbahn jährlich ca. 25 Millionen Besucher anzieht.
- Kurioserweise ist die kleinste Straße eine der bekanntesten in der Welt: die Herbertstrasse, eine für Jugendliche und weibliche Besucher gesperrte Bordellstraße, die nur zu Fuß und durch zwei Sichtblenden hindurch betreten werden kann. Auf nur 60 m Länge präsentieren sich Prostituierte in Schaufenstern und bieten ihre Dienste an.
- Berühmtheit erlangte die Reeperbahn durch den Film: „Große Freiheit Nr. 7“mit Hans Albers und dem von ihm darin gesungenen Lied: „Auf der Reeperbahn nachts um halb Eins“. Ein Denkmal auf dem direkt an die Reeperbahn angrenzenden Hans-Albers-Platz stellt ihn wie im Film mit Schifferklavier und Schiffermütze dar. Auch Sänger wie Udo Lindenberg und Tom Waits haben die Reeperbahn besungen.
Tipps für danach:
Unterhalb der Reeperbahn im Hafen – und sozusagen im zeitlichen Anschluss an das ausschweifende Nachtleben – liegt der Fischmarkt. Er ist ein Muss für jeden Hamburgbesucher.
Seit 1703 wird auf diesem traditionsreichen Markt so ziemlich alles gehandelt, was nicht niet- und nagelfest ist. Von Omas Porzellankännchen bis zur mümmelnden Hasenfamilie ist hier im Schatten der 100 Jahre alten Fischauktionshalle alles zu haben – jeden Sonntagmorgen von 05:00 – 09:30 Uhr.
Nachtschwärmer von der Reeperbahn treffen sich wankend zum Katerfrühstück, während andere Obst, Gemüse und Fisch kistenweise nach Hause schleppen.
