Gänsemarkt in Hamburg

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Der Gänsemarkt
Ein Locopodia-Text, gesprochen von Friederike Weede

Der Gänsemarkt am westlichen Ende des Jungfernstieg ist ein Knotenpunkt mehrerer Einkaufspassagen – und wird dominiert vom Backsteinbau der Hamburger Finanzbehörde. Historisch bedeutend ist der Gänsemarkt vor allem, da hier 1678 die erste öffentliche Opernbühne Deutschlands eröffnet wurde.

Händel war an dieser Bühne als Geiger angestellt, Telemann leitete die Oper von 1722 bis 1737.

Schon knapp hundert Jahre nach ihrem Bau wurde die Oper allerdings abgerissen, da das Gebäude baufällig geworden war.

An Stelle der Oper entstand das Nationaltheater, an dem Gotthold Ephraim Lessing drei Jahre lang als dramaturgischer Leiter tätig war. Seine Minna von Barnhelm wurde hier uraufgeführt.

Das Denkmal in der Mitte des Platzes erinnert noch heute an die Wirkungsstätte Lessings und an die “Hamburgische Dramaturgie”, die er hier verfasste.

Der Name ist für den Platz eigentlich untypisch: Gänsemarkt wurden in der Regel die Geflügel- und Kleintiermärkte der Städte genannt. Diese Funktion lässt sich in Hamburg jedoch nicht belegen.
Vielmehr diente der Platz zunächst als Lagerplatz für den Baustoff Kalk – eine Seitenstraße heißt bis heute Kalkhof. Als möglicher Ursprung des Namens wird vermutet, dass von hier aus Gänse auf die Weideflächen vor dem Dammtor getrieben wurden. Eine andere Theorie führt den Namen auf den Besitzer eines anliegenden Grundstückes Ambrosius Gosen zurück.

Als stabiler Standort hat sich der Gänsemarkt für die heutige Stadtbäckerei erweisen. 1650 erwarb Andreas Heinike das Grundstück Gänsemarkt 44. Bis heute backen seinen Nachfolger an dieser Stelle ihre Brötchen.

Weniger Glück hatte 1912 ein Dänischer König. Der bereits 70jährige Frederick VIII. brach damals spätabends auf dem Gänsemarkt zusammen und verstarb auf dem Weg ins Krankenhaus. Offenbar hatte sich der König in der Seitenstraße “Kalkhof” zu sehr verausgabt. Dort wurde damals nämlich das feudalste Hamburger Etablissement betrieben.