Chilehaus in Hamburg
Chilehaus
Ein Locopodia-Text, gesprochen von Friederike Weede
Das Chilehaus ist ein zehnstöckiges Kontorhaus im Hamburger Kontorhausviertel – und gilt als Prachtbeispiel für den Backsteinexpressionismus der 20er Jahre.
Diese Architektur, die von Backsteingotik und Expressionismus inspiriert war, beeindruckt noch heute.
Kaum ein anderes Bauwerk Hamburgs hat im Laufe der Jahrzehnte so viele Deutungen auf sich gezogen wie das Chilehaus. Am häufigsten und naheliegendsten ist natürlich der Vergleich mit einem „Ozeanriesen“.
Der Bau wurde von dem Hamburger Architekten Fritz Höger entworfen und 1924 fertiggestellt.
Bauherr war der Hamburger Reeder Henry B. Sloman, der sein Vermögen durch den Handel mit Salpeter aus Chile erworben hatte. Daher auch der Name „Chilehaus“.
In einer Aufstellung von 1912, dem “Jahrbuch des Vermögens und Einkommens der Millionäre in den drei Hansestädten” wird Sloman mit einem Vermögen von 60 Mio. Mark und jährlichen Einnahmen von 3 Mio. Mark als reichster Hamburger geführt.
Faszinierend sind die scheinbar fließenden Bewegungen des riesigen Gebäudes – durch die langen, gebogenen Fassaden entsteht der Eindruck, als würden die Steinmassen auf und ab wogen. Einen guten Blick hat man von Osten, also von der Kreuzung Pumpen und Niedernstraße. Wie ein Schiffsbug ragt das spitz zulaufende Hauseck in die Luft.
Eine optische Täuschung – von der Seite kann man gut erkennen, dass der First horizontal verläuft.
Ein weiteres Kuriosum ist die Wahl von 2.Wahl-Klinkern für die Fassade. Erst deren unregelmäßige Beschaffenheit gibt dem Bau laut seinem Architekten Fritz Höger “seine Beschwingtheit und nahm dem Riesen seine Erdenschwere.”
Das Chilehaus, war nach dem Ersten Weltkrieg Zeichen des Aufschwungs. Neben dem Michel wurde es zum markanten Wahrzeichen der Hansestadt. Weltweit hat das Chilehaus für Aufsehen gesorgt und über die Jahrzehnte hinweg seinen Ruf als architektonisches Kunstwerk erhalten.
Ganz im Gegensatz zu seinem äußeren repräsentativen Charakter war das Chilehaus immer ein für alle Firmen offenes Kontorhaus. Viele kleine Import- und Exportfirmen ließen sich hier nieder, die jeweils nur wenige Räume belegten um ihrem Gewerbe nachgehen zu können.
Das Chilehaus steht unter Denkmalschutz und wurde auf die Liste des Weltkulturerbes der UNESCO aufgenommen. Es gehört heute einem Immobilienfonds.
