Alter Elbtunnel in Hamburg

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Ein Locopodia-Text, gesprochen von Christian Eckert

Der 1911 eröffnete Sankt Pauli-Elbtunnel – heute auch Alter Elbtunnel genannt – ist über 400m lang und verbindet mit seinen beiden Röhren die Innenstadt bei den St.-Pauli-Landungsbrücken mit Steinwerder.
Er unterquert die Norderelbe und wird noch heute als öffentlicher Verkehrsweg genutzt. Bei seiner Eröffnung galt er als technische Sensation

Entstehung
Mit zunehmender Bedeutung des Hamburger Hafens wuchsen zu Beginn des 20. Jahrhunderts auch die Verkehrsströme über die Norderelbe. Vor allem Werft- und Hafenarbeiter querten hier täglich die Elbe um zur Arbeit zu kommen. Bisher war dies durch kleinere Hafenfähren erfolgt. Dieser kreuzende Verkehr stellte aber eine immer stärkere Behinderung für die Schifffahrt auf der Elbe dar. Außerdem war bei Nebel oder Eis kein Fährbetrieb möglich, so dass die Arbeiter auf eine weit elbaufwärts gelegene Brücke ausweichen mussten.

Als Lösungen für einen Übergang war zunächst auch eine bewegliche Brücke oder eine Schwebefähre in der Diskussion. Beide Lösungen hätten aber nach wie vor den Schiffsverkehr behindert und wurden daher wieder verworfen.
Eine ebenfalls untersuchter Bau eine Hochbrücke hätte 55 Meter lichte Höhe haben müssen und wäre dadurch sehr teuer geworden.

Es gab zu dieser Zeit aber bereits englische und amerikanische Vorbilder für Flussunterquerungen, so dass auch ein Tunnel zur Diskussion stand.
Schließlich wurde 1901 eine Entscheidung getroffen und Baurat Ludwig Wendemuth konzipierte den alten Elbtunnel nach dem Vorbild des Clyde-Tunnels in Glasgow.

Die beiden Tunnelröhren führen mit einer Sohlentiefe von 24 Metern von den St. Pauli-Landungsbrücken nach Steinwerder am südlichen Ufer der Norderelbe. Zwischen Tunnelröhre und Flussbett lag schon beim Bau eine nur drei Meter dicke Schlickschicht.
Im Zuge der Elbvertiefung wurde diese Überdeckung auf einen Meter reduziert und die Tunnelröhre zusätzlich gesichert.

Der Alte Elbtunnel verfügt über keine Zufahrtsrampen. Fahrzeuge und Personen werden stattdessen mit großen Aufzügen 24 Meter in die Tiefe befördert. Das Zugangsgebäude auf der Stadtseite ist mit seiner markanten Kuppel weithin sichtbar.

Mittlerweile hat der Alte Elbtunnel eher touristische als verkehrstechnische Bedeutung. Nutzten ihn einst bis zu 20 Mio. Menschen pro Jahr, sind es heute nur noch 500.000.

Nach wie vor ist der Alte Elbtunnel für Fußgänger und Radfahrer kostenfrei begehbar, die Benutzung mit Motorfahrzeugen ist kostenpflichtig und zeitlich eingeschränkt.

Zur kostenfreien Benutzung durch Fußgänger gab es vor der Eröffnung 1906 eine hitzige Debatte in der Bürgerschaft. Von den Sozialdemokraten wurde pointiert argumentiert: „Weil die Bourgeoisie für die Instandhaltung der Reitwege auf der Uhlenhorst auch keine Abgaben bezahlt, muss die Tunnelbenutzung für Arbeiter frei sein.“