Theatinerkirche in München

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Die Theatinerkirche
Ein Locopodia-Text, gesprochen von Friederike Weede

Wenn sich ihr größter Wunsch erfülle – die Geburt eines Sohnes und Erbprinzen – wollte die kunstsinnige Kurfürstin Henriette Adelaide die „schönste und wertvollste Kirche“ errichten lassen.

Als Max Emanuel 1662 zur Welt kam, löste seine Mutter das Versprechen ein und gab die Planung in Auftrag.

  • Als katholische Stiftskirche St. Kajetan wurde die Theatinerkirche 1663 für den Bettelorden der Theatiner in Auftrag gegeben.
  • Die Baumeister waren Agostino Barelli und Enrico Zuccalli. Im Juni 1675 geweiht, war es die erste barocke Kirche in Bayern.

Hintergründe
Vorbild für die Theatinerkirche war die Mutterkirche der Theatiner, St. Andrea della Valle in Rom. Agostino Barelli, dem die Kurfürstin den Auftrag für den Entwurf erteilt hatte, leitete den Rohbau, Enrico Zuccalli vollendete die Kirche und prägte vor allem die Außenansicht.
Die 71 Meter hohe Tambourkuppel und die beiden außergewöhnlichen Türme gehen auf ihn zurück. Auch das mit reichem Stuck verzierte Kircheninnere gestaltete er mit.

Die Theatinerkirche blieb mehr als 100 Jahre lang unvollendet, weil man sich nicht über die endgültige Gestalt der Fassade einigen konnte.
Türme und Innenausstattung wurden erst im dritten Jahrzehnt nach Baubeginn fertiggestellt, die Fassade 1765 – dann im Stil des Rokoko.

Von Barock und Rokoko geprägt sind auch die Dekorationen im Innenraum. Sowohl korinthische Halbsäulen und reiche Pflanzenornamente als auch religiöser Figurenschmuck sind hier zu sehen – alles in strahlendem Weiß. Das Hochaltarbild „Maria auf dem Thron mit Heiligen zu ihren Füßen“ ist älter als die Kirche selbst. Caspar de Crayer malte es im Jahr 1646. Die Statue des Evangelisten Markus von 1670 ist die älteste Plastik in der Kirche. Die von Andreas Faistenberger errichtete Kanzel stammt aus dem Jahr 1686.

Auch beim Bau des angrenzenden Theatinerklosters war Enrico Zuccalli federführend. Zusammen mit der Kirche entstand ein riesiges Geviert nahe der Stadtmauer.
In der Obhut der Theatiner war das Kloster bis 1801, dann wurde es aufgehoben und säkularisiert. Bis Mitte des 19. Jahrhunderts beherbergte es Teile der kurfürstlichen Regierung, während die Theatinerkirche Stifts- und Hofkirche blieb. Sie hat auch eine Fürstengruft, 49 Wittelsbacher wurden darin beigesetzt.

Der Zweite Weltkrieg richtete schwere Zerstörungen in Kirche und Kloster an, doch schon 1946 begann der Wiederaufbau. Er vollzog sich in mehreren Etappen und wurde 1973 endgültig abgeschlossen.

Seit 1954 gehört die Theatinerkirche zur Dominikanerprovinz St. Albert von Süddeutschland und Österreich. 2001 begann die Generalsanierung.