Frauenkirche - Überblick und Geschichte in München

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Die Frauenkirche – Überblick und Geschichte
Ein Locopodia-Text, gesprochen von Wolfram Huke

Die Frauenkirche – oder korrekt gesagt, der Dom zu Unserer Lieben Frau – wurde 1494 eingeweiht und ist die Kathedrale der Erzbischöfe von München und Freising.

Die spätgotische Backsteinkirche ist das wohl bekannteste Wahrzeichen Münchens. Ihre Türme sind um die 98 Meter hoch – wobei der Nordturm den Südturm um ganze 12 cm überragt.

Die gut 98 Meter der Frauenkirche bilden in München das Maß aller Dinge. Durch einen Volksentscheid wurde im November 2004 beschlossen, dass vorläufig keine Gebäude mit mehr als 100 Metern Höhe gebaut werden dürfen. Diese Entscheidung soll vor allem die historische Silhouette und die Blickachsen erhalten.
Wer den Aufstieg auf den Südturm nicht scheut, kann sich daher auch eines atemberaubenden und unverbauten Blicks auf die Alpen erfreuen.

Die Kirche bot bei ihrer Fertigstellung etwa 20.000 stehenden Menschen Platz. Eine überwältigende Größenordnung, wenn man bedenkt, dass München damals nur etwa 13.000 Einwohner hatte.
Der Bau ist als mächtige dreischiffige Hallenkirche angelegt. Dennoch wirkt der Raum nicht erdrückend. Erreicht wird dies durch die Verschränkung und die geschickte Anordnung der Bauformen. Beim Betreten der Kirche sieht der Besucher keine Begrenzungen, keine Fenster. Die Reihen der achteckigen Pfeiler wirken, als würden sie aus sich heraus leuchten.

Dieser Effekt war früher noch imposanter als selbst das Chorfenster durch Bennobogen und den Hochaltar verdeckt waren. Damit war beim Betreten der Kirche kein einziges Fenster sichtbar.

Vermutlich entstand zu dieser Zeit die Legende vom Teufelstritt, dem berühmten Fußabdruck in der Vorhalle.

Angeblich soll der Baumeister Jörg Halsbach einen Pakt mit dem Teufel geschlossen haben. Der Teufel sollte ihn beim Bau unterstützen – er sicherte dafür zu, keine Fenster in die Kirche einzubauen. Als der Teufel nun sah, dass die Kirche zwar keine Fenster hatte, aber dennoch hell war, stampfte er vor Wut auf.
So ging Halsbachs List, verborgene Fenster einzubauen, auf.

Geschichte
Die Vorläufer der Frauenkirche reichen bis ins 13. Jahrhundert. Schon um 1240 errichteten die Wittelsbacher bei ihrer Residenz ein Gotteshaus.
Die Reichtümer, die diese erste Kirche durch Spenden wohlhabender Patrizierfamilien ansammeln konnte, bildeten über 200 Jahre später den Grundstock zum Bau der neuen Frauenkirche.

Die Gründe für diesen Neubau sind nicht genau belegt. Vermutlich waren aber der rasante Bevölkerungszuwachs und auch bauliche Mängel der alten Kirche ausschlaggebend. Allerdings gibt es auch Legenden die andere Gründe nennen:

Eine davon besagt, Herzog Sigismund habe einmal aus der Ferne München betrachtet und dabei ein markantes Kennzeichen der Stadt vermisst. Daraufhin habe er beschlossen, eine Kirche zu bauen, die weithin sichtbar von der Stadt kündet.

Laut einer anderen Legende soll in der alten Kirche einmal ein Mädchen zusammengebrochen sein. Da man sie im Gedränge nicht aus dem vollen Gebäude schaffen konnte, sei sie gestorben. Damit so etwas nicht noch einmal vorkommt, habe der Herzog geschworen, eine größere Kirche zu bauen.

Zunächst konnte der Bau der Frauenkirche aus den Reichtümern der alten Kirche finanziert werden. Zur Mitte der Bauzeit mussten aber neue Mittel beschafft werden. Kurzerhand gewährte daraufhin Papst Sixtus IV. denjenigen vollständigen Ablass, die nach München pilgerten, dort ihre Sünden beichteten und einen Wochenlohn für den Bau der Kirche spendeten.

Der Bau der Frauenkirche wurde von Jörg von Halsbach ausgeführt, der damals ein sehr renommierter Baumeister war. An der Frauenkirche arbeitete er ab 1468 ganze zwanzig Jahre lang. Parallel war Halsbach auch mit Umbauten am alten Münchner Rathaus beauftragt und erbaute die Kreuzkirche. Halsbachs Grab liegt unter dem nördlichen Turm.

1488 war der Bau abgeschlossen – bis auf die Turmspitzen. In den Wirren des Landshuter Erbfolgekrieges von 1504 führte dies sogar dazu, dass auf den Türmen Kanonen zur Verteidigung Münchens aufgestellt wurden.

1525 wurden dann endlich die charakteristischen Turmspitzen aufgesetzt. Man nimmt an, dass sich Halsbach bei ihrer Planung an einer Zeichnung des Felsendoms in Jerusalem orientiert hat. Vermutlich sollte sich das neue “himmlische Jerusalem” Münchens an den Vorbildern des irdischen Jerusalem orientieren.

Die Ausführung der Hauben, die ähnlich an vielen Türmen aus Renaissance und Barock zu sehen ist, wird als Welsche Haube bezeichnet.

Ungefähr ab dem Jahr 1600 wurde die Frauenkirche stark barockisiert. Hans Krumper erbaute am Übergang zum Chor einen Triumphbogen, der mit reicher Stukkatur verziert war. Da dieser Bogen den Altar des heiligen Benno, des Stadtpatrons, überspannte, wurde er als Bennobogen bezeichnet.
1620 wurde der Hochaltar von Peter Candid mit dem berühmten Bild der “Mariä Himmelfahrt” fertiggestellt. Wenig später folgte der Wittelsbacher Kenotaph, ebenfalls ein von Hans Krumper geschaffenes Kunstwerk. Im Gegensatz zum Großteil der sonstigen barocken Ausstattung ist dieses Scheingrab heute noch erhalten.

Viele andere Teile wurden jedoch später wieder entfernt oder zerstört. Die Purifizierung des Domes um 1870 stellte nach damaligen Maßstäben eine angemessene Restaurierung dar. Weithin herrschte die Meinung, dass die Gotik der würdigste kirchliche Stil sei, Renaissance und Barock dagegen profan wären. Aus heutiger Sicht gleicht die Restaurierung jedoch einem Kahlschlag. Beispielsweise wurde der spätmanieristische Hochaltar von Peter Candid durch einen Flügelaltar ersetzt oder das Gewölbe als Sternenhimmel ausgemalt.

Im Zweiten Weltkrieg wurde die Frauenkirche durch Luftangriffe schwer beschädigt. Die meisten bedeutenden Kunstwerke sowie auch die historischen Fenster waren jedoch noch vor den Bombenangriffen in Sicherheit gebracht worden.

Unter Kardinal Faulhaber und seinen Nachfolgern erfolgte der Wiederaufbau der Frauenkirche als Zeichen christlicher Hoffnung. Bald erschien die nüchterne und schmucklose Ausstattung der Nachkriegsjahre als zu karg.

1989 bis 1994 erfolgte daher eine grundlegende Renovierung, in der die ursprüngliche Raumausmalung von Jörg Halspach wieder hergestellt wurde. Auch konnte die Ausstattung durch Stücke ergänzt werden, die nach der Purifizierung im Diozösanmuseum Freising aufbewahrt wurden.

So ist die Kirche heute wieder reich ausgestattet.