Neues Rathaus in München
Das Neue Rathaus
Ein Locopodia-Text, gesprochen von Friederike Weede
Ein wahres Schauspiel kann man miterleben, wenn man das Neue Rathaus im Herzen Münchens besucht.
Drei Mal am Tag führen 32 Figuren hoch oben auf dem Turm Tänze und ein Ritterturnier auf, während das fünftgrößte Glockenspiel Europas erklingt.
Und von dem direkt darunterliegenden Balkon des Oberbürgermeisters aus hat schon so mancher berühmte Sportler den Münchnern zugewinkt.
- Das Neue Rathaus ist ein fast 100 Meter langer, reich verzierter neogotischer Bau an der Nordseite des Marienplatzes.
- Der größte Fürstenzyklus an der Fassade eines deutschen Rathauses erinnert hier in vielen Bildern an die Geschichte und die Herrscher Bayerns.
- Seit 1909 hat die Münchner Verwaltung in diesem Gebäude ihren Sitz. Zuvor hatte es 42 Jahre gedauert, bis das Neue Rathaus mit dem 85 Meter hohen Turm vollendet wurde.
- Als Vorbilder dienten dem Architekten Georg von Hauberrisser die Rathäuser in Brüssel und Wien.
Hintergründe
Es war das 19. Jahrhundert und im Alten Rathaus am Marienplatz wurde es eng. Seit München 1806 Hauptstadt des napoleonischen Königreichs Bayern war, hatte sich die Bevölkerungszahl innerhalb weniger Jahrzehnte stark vergrößert.
So war es höchste Zeit, dass man 1867 mit dem Bau eines neuen Rathauses begann. Nach einem Ideenwettbewerb entschied sich die Stadt für Georg von Hauberrissers Entwurf im Stil der Neogotik – der Bau sollte damit an Münchens erste Blütezeit in der Zeit der Gotik erinnern.
Nach sieben Jahren stand der Bau aus Muschelkalk- und Backstein. Doch schon bald war klar: Man hatte sich verschätzt und würde noch mehr Platz brauchen als veranschlagt.
Erst nach einer zweiten und einer dritten Bauphase war das Neue Rathaus komplett. In mehr als vier Jahrzehnten war ein ganzes Karree mit sechs Innenhöfen und 400 Zimmern am Marienplatz entstanden, in das nun die Verwaltung der Großstadt einzog.
Den Zweiten Weltkrieg überstand das Rathaus leicht beschädigt. In den Jahren danach stockte man das Hauptgebäude auf, Teile der Südfassade wurden vereinfacht wiederhergestellt. Und eine Generalsanierung Ende der 90er Jahre machte das Neue Rathaus wieder ganz zur Zierde des Marienplatzes. Der Oberbürgermeister, der Stadtrat und Teile der Stadtverwaltung sorgen von hier aus für das Wohl der bayerischen Landeshauptstadt.
Tipp
Wer das Spiel der Glocken und der Figuren mit dem berühmten Münchner Kindl auf dem Rathausturm sehen will, sollte sich um 11, 12 oder von März bis Oktober auch 17 Uhr am Marienplatz einfinden.
Um 21 Uhr verabschiedet der Nachtwächter den Münchner Tag, und die Glocken spielen das Wiegenlied von Brahms.
Auch ein Aufstieg lohnt sich, bei Föhn hat man einen tollen Rundblick und kann bis weit in die Alpen schauen.
